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Wenn man in Deutschland das Gymnasium besucht,
macht man mit 19 - also nach der 13.
Klasse - das Abitur (high school diploma). Damit hat man die allgemeine Hochschulreife (general matriculation standard) und kann jedes Fach an jeder deutschen Universität
studieren. Allerdings verlangt man für
das Fach Medizin einen weiteren Test und
eine sehr gute Durchschnittsnote im Abitur.
Eine gute Durchschnittsnote ist auch wichtig
für einige andere Fächer, in denen
es einen Numerus Clausus (enrollment cap) gibt: hier ist die Zahl der vorhandenen
Studienplätze beschränkt. Wenn
man einen ungenügenden Notendurchschnitt
hat, kommt man auf eine Warteliste.
Fast alle deutschen Universitäten und
Hochschulen sind staatliche Institutionen,
Wenn man sich immatrikuliert (enrolls), muss man keine Gebühren bezahlen.
Man bezahlt jedes Semester nur einen Sozialbeitrag (social fee) von ungefähr 70 Mark, dazu kommt eine
Krankenversicherung (health insurance). Einige Unis haben außerdem einen
Pflichtbeitrag, etwa 100 Mark pro Semester,
für öffentliche Verkehrsmittel.
Da gilt dann der Student(inn)enausweis (student ID) für ein halbes Jahr auch als
Ticket für öffentliche Verkehrmittel
wie Bus, Straßenbahn und Bundesbahn.
Das deutsche Erziehungssystem unterscheidet
sich sehr vom amerikanischen. Deutsche Studenten
fangen ihr Studium etwas später an und
müssen sich sofort spezialisieren. Einen
"bachelor’s degree" gibt es nicht.
Nur am Ende gibt es einen Titel. In den Natur-
und Ingenieurwissenschaften und Fächern
wie Betriebswirtschaft (Business Administration) bekommt man ein Diplom. In den Geisteswissenschaften (Humanities) macht man einen Magister Artium (Master’s Degree). Wenn man Jura (Law) oder verschiedene Fächer für
das Lehramt Education) studiert, heißt der Abschluss Staatsexamen.
Mit allen Titeln ist es aber möglich,
anschließend eine Promotion, d.h. einen
"Doktor", zu machen. (Der ist natürlich
Pflicht für Mediziner, die aber vorher
erst drei Staatsexamen ablegen müssen.)
Wenn man eine akademische Karriere machen
will, reicht der Doktor jedoch meistens nicht.
Wer ein echter Professor sein will, muss
erst eine weitere Prüfung, die Habilitation,
machen.
Jede Uni hat verschiedene Fakultäten
oder Fachbereiche. An einer Philosophischen
Fakultät studiert man geisteswissenschaftliche
Fächer, an einer "Math-Nat"
Fakultät studiert man (natürlich)
Mathematik oder Naturwissenschaften. In diesen
Fächern ist das Studium schon eher vergleichbar
mit dem in den USA. Es gibt theoretische
und praktische Kurse, und die Studenten arbeiten
oft in festen Gruppen zusammen. In den Geisteswissenschaften
ist das anders. Allgemein sind da die Vorschriften
weniger eng, und hier macht sich jeder Student
selbst seinen eigenen Stundenplan (schedule).
Es gibt verschiedene Arten von Kursen an
einer deutschen Uni. Da sind:
-
Vorlesungen(lectures) und Seminaren. Vorlesungen werden von Professoren
gehalten, die sich vorne hinstellen und über
ihr Thema sprechen. Diskussionen (und Prüfungen)
hat man normalerweise nur in den Seminaren.
Von denen gibt es verschiedene Arten:
-
Proseminare und Grundlagen- / Einführungsseminare (introductory courses). Die sind für Studenten im Grundstudium
(die ersten zwei Jahre). Hier soll man vor
allem lernen, was “wissenschaftlich” ist,
und das in die Tat umsetzen.
-
Hauptseminare. Die sind für die älteren Studenten,
die ihr Grundstudium schon abgeschlossen
haben.
Manchmal gibt es noch andere Arten von Seminaren,
z.B. Ergänzungs-, Mittel- oder Oberseminare.
Da kann es dann unterschiedliche Voraussetzungen
und Prüfungen geben. Manchmal ist es
eine Klausur (written exam), manchmal ein Referat (oral presentation), sometimes with an obligatory handout, Thesenpapier), und oft ist es eine Hausarbeit (term paper). Eine Hausarbeit schreibt man meistens
erst nach dem Kurs, in den folgenden Semesterferien.
Dafür bekommt man dann einen Schein (credit). Solche Scheine müssen deutsche Studenten
sammeln, um am Schluss ihre Prüfung
machen zu können.
Welche Kurse man machen will (oder muss),
erfährt man aus dem Vorlesungsverzeichnis (course schedule). Jede Uni gibt ein Buch heraus, das
alle Vorlesungen und Seminare enthält.
Dieses Buch kann man in Buchhandlungen kaufen.
Es ist geordnet nach Fakultäten und
Fächern, und es verrät alle Kurse
- wer sie unterrichtet, wann und wo sie stattfinden.
Aber normalerweise hat jedes einzelne Fach
außerdem sein eigenes “Kommentiertes
Vorlesungsverzeichnis”. Da gibt es mehr Information
- Beschreibungen der Kurse, welche Bücher
man braucht und was für Prüfungen
man machen muss, um einen Schein zu kriegen.
Die Kurse dauern meistens zwei Stunden. Eine
akademische Stunde ist aber nur 45 Minuten
lang. Im Vorlesungsverzeichnis steht dann
für die Zeit z.B. 14-16. Der Kurs beginnt
dann um viertel nach 2 und endet um viertel
vor 4 nachmittags.
Die meisten Hochschulen sind groß und
haben sehr viele Studenten. Deshalb gibt
es oft viele Kommilitonen (fellow students) in den Kursen. Vor allem an einer Philosophischen
Fakultät, wo alle verschiedene Stundenpläne
haben, ist das Studium deshalb oft anonym
und etwas unangenehm. Man muss sich daran
gewöhnen, mit vielen Leuten in einem
engen Raum zu sitzen und diese Leute erst
eine Woche später wiederzusehn. Das
macht soziale Kontake ein bisschen schwierig.
Das gilt auch für die Umgebung, denn
wenige deutsche Unis haben so etwas wie einen
amerikanischen Campus, wo alles zusammengehört.
Die Gebäude sind manchmal weit voneinander
entfernt, und "student unions"
gibt es auch nicht. Wenn man Leute kennenlernen
will, ist es vielleicht das beste, vor oder
nach einem Kurs ein Gespräch mit Kommilitonen
zu beginnen. Man kann z.B. fragen,
ob jemand Zeit für einen Kaffee aus
dem Automaten hat. Oder man versucht, sich
mit Leuten in einer “Kneipe” zu verabreden.
Oder man findet heraus, welche Sportprogramme
es gibt, um da andere Studenten zu treffen.
(Dass man versuchen sollte, Kommilitonen
im Studentenwohnheim (dorm) kennenzulernen, ist ja sowieso selbstverständlich.)
Außer Büros, Seminarräumen
und Hörsälen (lecture halls) gibt es noch einige andere wichtige Teile
einer deutschen Uni. Es gibt natürlich
Bibliotheken, die aber auch nicht so sind
wie in den USA. Normalerweise hat jedes Fach
seine eigene Bibliothek (die Instituts- oder
Seminarbibliothek). Um diese Bibliothek zu
benutzen, braucht man meistens eine separate
Karte. Damit kann man aber keine Bücher
ausleihen. Institutsbibliotheken leihen kaum
Bücher aus. Sie sollen immer da bleiben
und können nur am Tag gelesen werden
- sie sind sozusagen immer "on reserve".
Sie sollen für alle Studenenten immer
zu haben sein. Wenn man Bücher mit nach
Hause nehmen will, muss man in die zentrale
Universitätsbibliothek (für die
man natürlich einen anderen Ausweis
braucht). Solche Bibliotheken sind aber im
Grunde nur riesige Speicher für Bücher,
d.h. man kann dort nicht zwischen Regalen
herumgehen und schauen, was man haben möchte.
Man muss zu einem der Kataloge (library catalogs), auf Zettel oder Mikrofiche,
oder zu einem Computerterminal, wenn man
etwas sucht und ausleihen will.
Ein anderer wichtiger Ort ist natürlich
die Mensa (cafeteria), wo es was zu essen gibt. Die Mensa ist
zur Mittagszeit für ein paar Stunden
geöffnet, und wenn nicht gerade Semesterferien
sind, gibt es hier normalerweise auch ein
Abendessen. Man kann zwischen verschiedenen
Menüs wählen - aber nicht verschiedene
Sachen kombinieren. Man nimmt entweder das
ganze Tablett oder gar nichts. Aber in der
Regel ist dieses Essen gar nicht schlecht,
und es kostet nur drei bis vier Mark.
Für Vegetarier ist natürlich auch
ein Menü dabei.
Das Essen in einer Mensa bezahlt man entweder
mit einer Essenmarke (meal ticket), die man
vorher gekauft hat, oder mit einer Mensakarte (debit card). Für alles Mögliche gibt es an
einer deutschen Unversität - und nicht
nur an einer Universität - verschiedene
Ausweise und Karten. Das wichtigste ist natürlich
der Student(inn)enausweis, der ja manchmal
auch eine Fahrkarte ist. Den bekommt man
nach der Immatrikulation vom Studentensekretariat (registrar’s office). Und wenn man ihn hat, kann man damit andere
Ausweise und Karten holen - für das
Institut des Faches, das man studiert; für
die zentrale Bibliothek; für die Mensa
und so weiter. Auch für einen Email-Account
natürlich. Der Student(inn)enausweis
zeigt deinen Namen, die Fächer deines
Studiums, die Anzahl deiner Semester - und
deine Matrikelnummer.
Diese Nummer ist dann deine Identität
für alles Mögliche an der Uni,
solange Du dort studierst. Du musst selbst
dafür sorgen, dass du dich nicht nur
wie eine Nummer fühlst. Ein Studium
in Deutschland verlang oft viel eigene Initiative,
weil es oft wenig guidance und viel Anonymität gibt. Aber diese
Dinge solltest Du als Herausforderung
sehen,
nicht als Einschüchterung...
Joachim Ghislain / Maggie McCarthy
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